Vererbung

 

Eines meiner Lieblingsfächer war schon in der Schule Biologie, und insbesondere Genetik fand ich spannend. Das ist zwar schon einige Jährchen her, aber ich habe mich schnell wieder hinein gefunden. Da ich Norwegische Waldkatzen züchte, die keine Point-Abzeichen wie z.B. Ragdolls oder Siam haben, fehlt für die Rassen mit solchen Abzeichen im folgenden etwas.

Also: Jedes Tier hat 2 sich entsprechende Chromosomensätze. Auf jedem Chromosom sitzen Gene. Jeweils zwei Chromosomen und damit auch Gene entsprechen sich. Jedes Elterntier gibt jeweils nur eines der 2 Chromosomen von seinem Chromosomenpaar ab, damit beim Jungtier wieder jeweils 2 herauskommen. Wir Menschen haben 23 verschiedene Chromosomen, insgesamt also 46 in jeder Zelle. Bei Katzen sind es 19 Paare, also 38 Chromosomen. Beim Nachwuchs entstehen damit so viele verschiedene Möglichkeiten des Zusammenspiels der einzelnen Chromosomen, dass keiner wie der andere aussieht (außer eineiige Zwillinge, weil hier die Zellteilung erst nach der Befruchtung einsetzt und damit gleiche Chromosomensätze vorliegen). Und durch die unterschiedliche Wirkung der Gene ergibt sich dann oft selbst in einem Wurf ein buntes Durcheinander. Vererbungstechnisch klappt das so:

Bei den Genen unterscheidet man zwischen dominanten Genen, das sind die, die sich auch gegen schwächere durchsetzen, also äußerlich in Erscheinung treten - man spricht hier vom Phänotyp - und zwischen den rezessiven Genen, die nur in Erscheinung treten können, wenn ein Tier von beiden Eltern die gleiche Information erhalten hat.

Beispiel: Blutgruppe 0 ist rezessiv. D.h. genotypisch besitzt jemand mit Blutgruppe 0 in jedem Fall 00. Blutgruppe A ist jedoch dominant. Wenn also ein A0 sich mit einem 00 verpaart, können dabei A0 und 00 entstehen - die A0 haben Blutgruppe A, die 00 haben Blutgruppe 0. Wenn AA mit 00 zusammenkommt, gibt es nur A0, also nur Blutgruppe A.

In der folgenden Tabelle habe ich die wichtigsten Gene mit ihren Symbolbezeichnungen aufgeführt. Die dominanten Gene werden in Großbuchstaben wiedergegeben, die rezessiven in kleinen Buchstaben.
 
 

Symbol Wildform Symbol Mutante
A Agouti, Wildfarben
(Haarbänderung)
a Non-Agouti, einfarbig
B schwarze Grundfarbe b braune Grundfarbe
D unverdünnte Farbe d Verdünnung
fd normal stehende Ohren Fd Faltohren (folded)
Hr normal volles Fell hr Haarlosigkeit
i voll ausgefärbte Haare I Inhibitor, Teile des Haares

sind nicht gefärbt (Silberung)

L Normalhaar, Kurzhaar l Langhaar, länger als normal
m Normalschwanz M Manxschwanz, kürzer als normal
o normale Farben,

kein Rot

O Orange, Rot
pd normale Pfotenzahl Pd Polydaktilismus, Mehrzehigkeit
R normal glattes Haar r Rexhaar, gelockt
s normale Farbe 

ohne weiße Flecken

S Scheckung, weiße Tupfen

oder Flecken

T Tabbymuster getigert,

mackerel

tb Tabbymuster gestromt,

blotched tabby, klassisch

w normale Fellfarbe W weiße Fellfarbe


In den Stammbäumen meiner Katzen finden sich z.T. Buchstabenkombinationen (wie z.B. bei Maxime AaB-Ddiiosstbtbww - die Bedeutung kann der Tabelle entnommen werden.

Katzen, die ein dominantes Merkmal zeigen, können damit auch das rezessive Gen tragen und weitervererben. Man spricht hier vom Genotyp, der sich also vom Phänotyp unterscheiden kann.

Auf meine Katzen angewendet bedeutet das: Zwei Katzen, die beide ein dominantes Gen tragen, können ein phänotypisch anderes Kitten bekommen. Bei Clyde sind beide Eltern Silber-Träger. Clyde jedoch hat von beiden Eltern das rezessive Gen für voll ausgefärbtes Haar (also nicht das Inhibitor-Gen, das aber beide Eltern tragen und das zu sehen ist) erhalten.

Maxi trägt in jedem Fall das Gen für Einfarbigkeit, da ihr Vater einfarbig ist und es sich um ein rezessives Gen handelt, das heißt also auch weitervererbt wird. Da sie aber von der Mutter das dominante Gen für wildfarbenes Fell, also Fellzeichnung, geerbt hat, sieht man auch nur das. Da Maxi Nachwuchs mit Verdünnung (Bluebell, eine blue tabby classic mit weiße Katze) bekommen hat, trägt sie das Gen für Verdünnung, das sie von einem ihrer Eltern bekommen haben muss.

Aranja trägt unter ihrem schwarzen Fell classic tabby, da beide Eltern classic tabby sind. Bei ihr wird die Zeichnung vom Gen für Non-Agouti überdeckt. Das Gen für Einfarbigkeit wiederum müssen beide Eltern tragen, sonst käme es nicht durch. Auch Aranja hatte bereits ein blaues Kitten und trägt damit, genau wie der Vater des Wurfes, Magnum, Verdünnung.

Dann gibt es natürlich auch noch rote Katzen. Rot vererbt sich geschlechtsgebunden auf dem x-Chromosom. Ein roter Kater hat damit ein x-Chromosom mit rot und eben als Kater ein y-Chromosom, das nie rot tragen kann. Dieser rote Kater gibt an weibliche Katzen sein x ab, damit bekommen die alle eine Anlage für rot. An die Jungens gibt er sein y ab, und dort befindet sich kein rot. Das heißt, dass ein roter Kater mit einer Katze, die KEIN rot trägt, KEINE roten Kater bekommt. ALLE weiblichen Nachkommen dieses roten Katers (creme ist rot mit dem Verdünnungs-Gen, dafür gelten diese Ausführungen also auch) haben ein rotes Gen und ein andersfarbiges und werden damit bunt gescheckt (tortie (auch schildpatt genannt, so bezeichnet man bunte Katzen ohne Zeichnung) oder torbie (also bunte Mädchen mit Zeichnung, wobei hier häufig nicht einzelne Flecken zu sehen sind, sondern eine gleichmäßige Verteilung der verschiedenen Haarfarben zu finden ist. Bei verdünnten bunten Katzen nennt sich die Farbe blau-creme). Rein rote Katzen können nur von einer bunten oder roten Katze mit einem roten Kater kommen. Bei einer roten Katze und einem roten Kater werden alle Kinder rot, da Rot alle anderen Farben überlagert. Ist weder der Kater rot noch die Katze rot oder rot gescheckt (bzw. mit den entsprechenden Verdünnungen creme), gibt es KEINE roten Nachkommen!
Um es ganz kompliziert zu machen: Für alles gibt es natürlich Ausnahmen - und es gibt tatsächlich auch tortie Kater. Diese entstehen allerdings nur durch die Verschmelzung verschiedener Keimzellen im Embryonalstadium (sog. Chimären) oder dadurch, dass ein Tier mehrere X-Chromosomen mitbekommt. Diese Tiere (Klinefelter genannt) sind unfruchtbar.

Alles klar? Wenn nicht - ich stehe gern für weitere Fragen zur Verfügung.