Hobbyzucht - Massenzucht
oder: wie viele Katzen braucht der Mensch?
Ein paar Gedanken zur Anzahl
und zur Abgabe von Katzen
Die meisten Katzenzüchter bezeichnen sich als
Hobbyzüchter. Es stellt sich die Frage, mit welcher Anzahl von Katzen
sich ein Züchter als Hobbyzüchter bezeichnen kann. Geschützt ist die
Bezeichnung nicht, eine "kleine Hobbyzucht" sagt also noch nichts über
die Anzahl der Katzen in der Cattery.
Hier in NRW ist es so, dass ab 5 weiblichen Zuchtkatzen oder 5 Würfen im
Jahr ein Sachkundenachweis vom Amtsveterinär erforderlich ist. Auch das
Finanzamt (ich habe extra nachgefragt) ist an einer Zucht mit bis zu vier
weiblichen Tieren und mit bis zu vier Würfen im Jahr nicht interessiert, es ist
also keine Steuererklärung fällig, die Zucht gilt in einem solchen Fall nicht
als Gewerbe. Das Finanzamt hat wohl erkannt, dass sich mit einer Hobbyzucht kein
Geld verdienen lässt ...
Allerdings erhöht sich die Anzahl der Kastraten im Laufe des Züchterlebens,
zumindest, wenn die Tiere nicht abgegeben werden. Auch in einer nicht
gewerblichen Hobbyzucht kann damit eine erhebliche Anzahl von Tieren leben. Gibt
ein Züchter seine Katzen nach der Kastration ab, kann er so die Gruppengröße
beschränken.
Letztlich muss jeder Züchter in eigener Verantwortung wissen, wie viele
Tiere gehalten werden können. Dies richtet sich auch sehr nach dem vorhandenen
Platz. Jedes Tier sollte ausreichend Rückzugsmöglichkeiten haben. Es sollten
auch die finanziellen Mittel vorhanden sein, um Gesundheitstests und eventuell
erforderliche Behandlungen für alle Tiere im Haushalt durchführen zu können.
Außerdem benötigt jede Katze Streicheleinheiten und Beschäftigung -
es muss gewährleistet sein, dass jede einzelne Katze in ausreichendem
Maße Zuwendung erhält. Jeder Katzenhalter sollte also genügend Zeit
haben, sich um alle seine Tiere kümmern zu können. Die Frage ist also
weniger, wie viele Katzen der Mensch braucht, als vielmehr, wie vielen
Katzen der Mensch tatsächlich gerecht werden kann. Dies gilt natürlich
gleichermaßen für Züchter und für Liebhaber.
Da meine Katzen als Familienmitglieder mit im Haus leben und ich die
Katzen nicht in verschiedene Gruppen aufteilen kann und möchte, werde ich immer
eine kleine Zucht mit nur wenigen Zuchttieren haben.
Am Anfang meiner Zucht hätte ich mir nicht vorstellen können, einmal eine
Katze abgeben zu müssen. Leider musste ich, wie andere Züchter auch, im Laufe
der Zeit feststellen, dass einfach nicht alle Katzen zueinander passen. Jede
Katze hat ihr eigenes Wesen - und manche möchten einfach nicht in einer Gruppe
leben, sondern ihre Menschen ganz für sich allein haben. Es kann auch passieren,
dass einfach die "Chemie" zwischen den Katzen nicht stimmt. Menschen gehen sich
in diesem Fall aus dem Weg - aber wie sollen unsere Katzen, die wir in einem
doch für Katzen recht eng umgrenzten Lebensraum (als Züchter in der Regel eine
Wohnung/ein Haus, eventuell noch mit gesichertem Garten) halten, damit fertig
werden?
Irgendwann musste auch ich mich damit auseinander setzen, wie ich mit
dem deutlichen Protestverhalten einzelner Katzen umgehe. Die
Unzufriedenheit einer einzelnen Katze färbte auch auf die Katzengruppe -
die bei uns nie besonders groß war - ab.
Im Mittelpunkt steht für mich das Wohl der Katzen - und zum Wohl meiner
Katzen, sowohl der Einzelnen als auch der Gruppe, musste ich mich schweren
Herzens von Katzen trennen. Selbstverständlich ist für mich, dass die Katzen
nicht an andere Züchter weitergereicht werden - sondern ich habe nach der
Kastration nach einem passenden neuen Zuhause gesucht.
Was man bei mir nicht finden wird ist die Abgabe "ausgedienter"
Zuchtkatzen, um Platz zu schaffen für eine neue Katze. Unsere Kastraten
dürfen bei uns alt werden, solange sie sich in der Gruppe wohl fühlen.
Wenn ich mir unsere "Ehemaligen" jetzt anschaue, weiß ich, dass ich
die richtige Entscheidung getroffen habe, so schwer es mir auch gefallen
ist. Die Katzen sind glücklich und zufrieden - und sie sind regelrecht
aufgeblüht.
Ein weiterer Aspekt ist für mich, dass die einzelnen Katzen in einer
harmonischen, nicht zu großen Katzengruppe bedeutend weniger Stress haben als
wenn es untereinander Schwierigkeiten gibt. Stress bedeutet aber eine Schwächung
des Immunsystems. Eine zufriedene Katzengruppe trägt also auch zur Gesundheit
der Katzen - und damit auch des Nachwuchses - bei.

Former cats
In the beginning of my breed I thought
that I could keep all our cats. Later I saw why other
breeders gave some of their former breeding cats into new
homes. My hopes of a cat group where all cats love each
other destroyed. Each cat has her own personality, and
sometimes a cat doesn't fit to other cats in the group.
For me the welfare of each cat is most important. I would not give a
cat into a new home only because the cat will not have
kittens any longer. If the cat likes to live here with us she should
live here. But for the welfare of the cats I had to look for a nice
place for some of our cats. And when I now look at them I'm glad that I
found new homes - they now are as happy as I had wished it for them.
© Anke Kirchmann, Norwegische Waldkatzen av Tyssedal