Herzuntersuchung in Narkose?
Die Praxis, Katzen für eine
Untersuchung auf HCM in Narkose zu legen, nimmt immer mehr zu, sowohl im
Inland, als auch im Ausland. Viele Kardiologen lassen sich heutzutage in
Amerika ausbilden, und dort wird vorgelebt, Tiere für jeden Ultraschall, jede
Röntgenaufnahme zu sedieren (Sedation =
Beruhigung; leichte
Narkose).
Natürlich ist es für den
untersuchenden Arzt wesentlich einfacher und ungefährlicher, ein Tier zu
untersuchen, das nicht herumzappelt oder sogar aggressiv wird. Aber abgesehen
davon, dass die Narkosemittel von Katzen oft schlecht vertragen werden, gibt es
noch einen anderen, ganz gravierenden Nachteil.
Das Untersuchen der Katze
in Narkose kann gerade bei denokulten, also noch
nicht sichtbar erkrankten Tieren, falsche Ergebnisse bringen:
Durch die Narkose werden je nach
verwendetem Narkosemittel Herzfrequenz, Kontraktionskraft und Blutdruck mehr
oder weniger stark verändert. Insbesondere durch die Verlangsamung des Herzens
durch Verwendung von Anästhetika ohne Atropin kann es zur Verlängerung der
Füllungsphase des Herzens kommen (Bradykardie), so dass der Innendurchmesser des
Herzens (LVDd) größer als ohne Narkose wird. Andererseits muss man bedenken,
dass Herzkammer und Muskelwände bei gesunden Katzen mit schneller Herzfrequenz
schwer beurteilbar sein können (Einzelfälle), da wäre eine narkosebedingte
Verlangsamung manchmal von Vorteil. Herzwanddicken und lokale Veränderungen der Papillarmuskel verändern sich durch Narkose allerdings nur wenig.
Außerdem
ist es wichtig, die Herzfrequenz
an der wachen Katze zu beobachten, da mit einer beginnenden HCM auch eine
erhöhte Herzfrequenz einher
geht. Ein geübter Untersucher sieht zu Beginn der Untersuchung bei fast
allen Katzen eine erhöhte Frequenz, die bei gesunden Katzen im Laufe der
Untersuchung wieder abnimmt. Wenn die Katze in Narkose liegt, funktioniert das
natürlich nicht.
Interessant ist auch,
dass es gerade die Ulta-Kurz-Narkosemittel sind, die
gern benutzt werden, um unruhige Tiere kurzfristig ruhig zu stellen, die die
Herzfrequenz so stark "herunterfahren", dass eine sichere Auswertung überhaupt
nicht möglich ist.
Lassen Sie also bitte
Ihre Katze für die Zuchtuntersuchung auf HCM nach Möglichkeit nicht
narkotisieren oder sedieren,
und lassen Sie sich dies auch auf dem Berichtsbogen vermerken.
© SusanneChotty, Anke
Kirchmann, unter freundlicher Mithilfe von Dr. Wendt, Dr. Tobias und Dr. Kresken